claire-delalune — 06.12.07, 09:37:59

Zeig mir die andere Seite vom Glück


I.
Nein, ich meine nicht Traurigkeit
oder Verzweiflung.
Ich meine Beständigkeit.
Das Gleichmaß des Lebens.
Meinst du das Auf-und-ab,
den Wechsel zwischen den Tagen des Lichts
und der Dunkelheit?
Ich meine Sicherheit. Geborgenheit.
Den Zustand ohne Fragen. Ohne Zweifel.
Die Zeit, in der Regen willkommen ist und
Sonne die Tage nur wärmt und nicht verbrennt.
Wo der Winter keine Worte erfrieren lässt
und das Frühjahr bereitwillig den Boden bereitet
für das Geschehen, das erwartet wird.
Erwartung. Die Zeit des Wartens ohne müde zu werden.
Ein Warten, das Früchte trägt,
vielleicht nicht erst im Herbst.


II.
Und dann stehst du am Fenster,
sinnend, die Hand an den Holm gelegt und siehst
in die Ferne.
Siehst auf das was kommt
und was war.
Und fühlst Ruhe und Frieden.
Du weißt, die kommenden Tage werden anders,
neu und unbekannt.
Aber du bist ruhig. Ohne Angst, ohne Sorge.
Der Wind streicht über dein Haar
und dein Auge streift die Erinnerungen
der Jahre und Jahrzehnte.


III.
Was ist Zeit? fragst du.
Was ist Glück? frage ich zurück.
Liegt nicht das Glück zwischen den Zeiten?
Und die Zeit zwischen dem Glück?


IV.
Morgen gibt es Antworten, im Augenblick
liegt noch verborgen, was dann bekannt sein wird.
Du weißt nicht, ob es Sommer ist oder Winter.
Frag den Frühling – er wird den Herbst um Rat fragen.
Nein, kein Zweifel. Keine Sorge rührt das Herz.


V.
Das Glück habe ich längst gefunden.
In den Worten und zwischen den Zeilen
liegt es verborgen
und zeigt sich manchmal des Nachts
dem der schreibt
und dem der liest, was geschrieben wurde.
Am Tag verbirgt sich die Erkenntnis.
Sie scheut das Aufsehen, das sie mit sich bringt,
der laute Jubel ist nicht ihre Art.
Still freut sie sich über den, dem sie begegnet.


VI.
Schreibe, sagt er.
Schreibe um dein Leben und gegen das Ende.
Welches Leben? frage ich.
Und welches Ende?
Das Ende der Worte. sagt er.
Denn das bedeutet das Ende
des Glücks.



© K.M. (Claire.delalune)

gelesen von Elsa Rieger

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claire-delalune — 25.12.06, 22:45:53

neulich in gestringen

neulich in gestringen



erinnerungen. wie ein weißer teppich, über den der gesammelte unrat vergangener zeiten ausgekippt wurde. zeichen einer zivilisiation, die sich selbst ad absurdum gelebt hat.
zudem erklangen schrille, monotone töne. schmerzhaft widerhallend in tauben ohren. marter. ganz bewusst. all die stimmen, die worte, hallen nach, stechen die stille aus mir.
nichts weist hin auf die dinge, die geschehen werden.
gestringen eben. nicht morgingen. das ist eine andere geschichte.

hast du das gesicht gesehen? dort drüben, im spiegel.
die blutunterlaufenen augen wetteifern mit dem atem widerlicher alkoholexzesse. aber auch das ist nicht schlimm.
es sind nur erinnerungen.
müllabfuhr ist heute, schießt es mir durch den kopf.
wer entsorgt seelenmüll?
saubermänner drängen sich herbei, ein jeder eifrig bemüht, es jedem recht zu machen. dort ein wenig ? hier ein bisschen ? nur nicht zu viel, nur nicht alles.
man muss doch sehen, nicht wahr?
was?
aber die frage ging unter im dröhnen der motoren. im schrillen klang des nichts und nirgends.
sieh, diese tür führt hinein, hinaus. was macht das schon?
richtig. du sagst es.

überhaupt. nimm doch den fuß vom teppich. sein weiß soll rein bleiben. unberührt.
gestringen eben. als alles noch heil war. in mir. und überhaupt.
frag mich nicht. du weißt eh. aber auch das ? egal.

mach mir platz, bitte.


© k.m. nov. 2004

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claire-delalune — 25.12.06, 20:24:58

bitter schmecktest du (2)

Hintergrundmusik "komponiert"/improvisiert und auf dem Keyboard gespielt von meinem 13jährigen Sohn.

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claire-delalune — 25.12.06, 15:18:16

bitter schmecktest du

erkennst du
als ich die worte
in die luft hing
fielen tore zu

überall wuchsen
mauern empor
dem horizont entschlüpfte
ein seufzer

nach dieser zeit
sehe ich

eisblumen
hängen an deinem mund
in deinen augen
steht nacht

bitternis
tropft von den lippen
trinke selbst davon
und ich sehe

um deinen schatten
rankt vergessen


© claire.delalune
20.12.06


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claire-delalune — 21.12.06, 14:40:01

Willkommen

Willkommen in meiner gesprochenen Gedichtewelt.
Bis hier alles so ist wie es sein sollte, wird noch etliche Zeit vergehen, fürchte ich.
Aber ein Anfang ist gemacht.